• Eigenhaartransplantation bei Tonsur oder Mönchsglatze

    Eigenhaartransplantation bei Tonsur oder Mönchsglatze

    Haarausfall und Haarverlust begleiten die Menschen seit vielen Jahrhunderten, daher sind auch noch heute einige Begrifflichkeiten auf Zusammenhänge aus früheren Zeiten zurückzuführen. Angesichts der sozialen Strukturen und der gravierenden materiellen Unterschiede konnten vor Hunderten von Jahren bestenfalls Personen aus gehobenem Stand der schwindenden Haarpracht durch äußerliche Veränderungen entgegenwirken. Für heutige Verhältnisse vollkommen untragbar bediente man sich seinerzeit der ersten Perücken, um den Stand und die Souveränität durch diesen Haarersatz aufzuwerten. Es galt, in jeder Hinsicht eine allen Widerlichkeiten strotzende Persönlichkeit zu demonstrieren, lichte Haare hätten zu jenen Zeiten eher Krankheit und Schwäche ausgedrückt. Dem gemeinen Bürger jedoch standen keinerlei Möglichkeiten zur Verfügung, den Haarstatus aufzuwerten. Jedoch wurde eine Tonsur oder Mönchsglatze auch kaum als Belastung wahrgenommen, denn alle Kraft und Mühe wurde in diesen Kreisen benötigt, um die Familie am Leben zu erhalten. Es sollte noch Viele Jahre ins Land gehen, bis die männliche Haarpracht in allen Gesellschaftsschichten eine Relevanz erhielt, die Anfänge zu diesem Wandel findet man bei religiösen Vereinigungen, welche die Mönchsglatze (Tonsur) thematisierten.

    Was versteht man unter einer Mönchsglatze?

    Wie in vielen anderen Bereichen auch, ist der Begriff Mönchsglatze mit mehreren Ausdrücken zu beschreiben. In diesem Falle spricht man bei der selben Bedeutung auch von einer Tonsur. Die Bezeichnung Mönchsglatze jedoch bezieht sich dabei ursprünglich auf einen religiösen Hintergrund und hat seine Herkunft keineswegs im Bereich der Haartransplantationen. Verschiedene unterschiedliche religiöse Vereinigungen erlegten ihren Anhängern vor vielen Jahrhunderten auf, den Oberkopf (teils bis hin zum oberen Hinterkopf) kahl zu rasieren. Man deutet diesen Erlass mit der Begründung, dass sich strenge Glaubensanhänger auch optisch als „mit Makel behaftet“ darstellen sollten, um damit zu untermauern, dass sich die Ehrhaftigkeit nicht an profanen Äußerlichkeiten, sondern ausschließlich an Glauben und Demut festmacht. Dabei war es absolut unerheblich, ob der betreffende Glaubensanhänger nun tatsächlich unter Haarverlust litt oder eine vollständige Frisur trug. Dieser Erlass zum Tragen einer Mönchsglatze galt für alle Anhänger, jedoch mit der Einschränkung: In manchen Religionen galt diese Verpflichtung lediglich für Männer mit gehobenem kirchlichen Rang. Es ist noch gar nicht lange her, dass die Mönchsglatze als Erlass aufgehoben wurde, denn tatsächlich erst im Jahre 1973 wurde diese seit Jahrhunderten bestehende Verpflichtung seitens Papst Paul VI. aufgehoben. Heute nutzt man diese geschichtsträchtige Bezeichnung als Synonym für die Art und Weise einer entsprechend auftretenden Glatzenbildung. So kommt der Begriff Mönchsglatze vornehmlich im Bereich Haarausfall und Haartransplantationen zur Anwendung.

    Was bezeichnet eine Tonsur?

    Quelle: cream on the bald head © Ingo Bartussek - Fotolia.com

    Von einer Tonsur spricht man, wenn ein Haarstatus vorliegt, wie es bereits oben unter „Mönchsglatze“ beschrieben wurde. Es handelt sich also um einen relativ großflächigen Haarverlust am Oberkopf – teils sogar ausgeprägt bis hin zum Hinterkopfareal. Um jedoch die religiöse Bewandnis nicht zu sehr zu fokussieren, wie es bei dem Begriff der Mönchsglatze der Fall ist, bedient man sich häufig und auch insbesondere im Bereich von Haarausfall und Eigenhaarverpflanzung des Ausdrucks „Tonsur“. Bei Betroffenen von androgenetischer Alopezie (erblich bedingtem Haarausfall) können sich unterschiedliche Ausprägungen und auch verschiedene Ausfallmuster einstellen. Diese Erkrankung kann mit Geheimratsecken beginnen und sich stetig weiter über den Oberkopf ausbreiten, es können jedoch ebenso sogenannte „Inseln“ entstehen, wie es bei einem typisch männlichen Ausfallmuster oft der Fall ist. Ein solcher Verlauf bildet eine Tonsur aus, bei welcher in der Regel mit weitergehendem Fortschreiten des Haarausfalls und der kahlen Stellen zu rechnen ist. Aber nicht nur dieses Ausfallmuster verursacht eine krankheitsbedingte Tonsur. Bei Frauen zeichnet sich zumeist ein etwas abweichender Haarausfall-Verlauf ab, welcher vielfach in der Scheitelregion beginnt. Weiter fortschreitend kann man aber auch hierbei eine Tonsurbildung beobachten, so dass letztlich eine ähnliche und vergleichbare Problematik bei Männern und Frauen vorliegt.

    Lange Zeit ging man davon aus, das sich Haarausfall je nach Geschlecht unterschiedlich entwickelt und deutlich voneinander unterscheidet. Inzwischen musste man diese Ansichten revidieren, denn es können sowohl Frauen an androgenetischer Alopezie erkranken (siehe auch „Haarausfall bei Frauen„), wie auch Männer Ausfallmuster aufweisen, welche mit diffusem Verlauf einhergehen, wie man es zuvor vorrangig Frauen zugeschrieben hatte. Tonsuren können daher jeden treffen, geschlechterspezifische Unterteilungen kommen hierbei nicht zum Tragen. Wohl aber treten gewisse Verhältnismäßigkeiten auf, so dass sich ableiten lässt: Frauen mit dem charakteristischen Ausfallmuster einer androgenetischen Alopezie und Männer mit diffusem Verlauf machen den geringeren Teil der insgesamt Betroffenen aus. Tonsuren werden jedoch unabhängig davon bei beiden Geschlechtern festgestellt.

    Was können Frauen und Männer unternehmen, wenn sich eine Tonsur ausbildet?

    Eine Tonsur bei Männern ist zunächst einmal gesellschaftlich vollkommen unproblematisch, denn männlicher Haarschwund stellt seit Jahrhunderten keine Besonderheit dar und ist demzufolge auch durchaus „gesellschaftsfähig“. Einzig jene Männer, die unter ihrer schwindenden Haarpracht leiden, weil sie beispielsweise mit einer Tonsur ihrem persönlichen Anspruch an das eigene Aussehen nicht mehr entsprechen können, suchen nach Alternativen. Einem recht drastischen Verlauf bei androgenetischer Alopezie (erblich bedingtem Haarausfall) mit medikamentösen Therapien begegnen zu wollen, hat sich bis dato nicht als zufriedenstellend erweisen können. Es besteht unter Umständen die Möglichkeit, das Fortschreiten des Haarausfalls verlangsamen zu können, jedoch sind keine Fälle publiziert, bei welchen eine Tonsur durch Anwendung von verordneten Medikamenten gegen Haarausfall im Anschluss wieder vollständig mit Haaren bewachsen war – mit einem Haarstatus, als sei nicht geschehen. Alternativ bieten sich für Männer, wie auch für Frauen theoretisch die Optionen Haartransplantation und Haarersatz an. Steht der Wunsch nach einer Haartransplantation im Raume bei Vorliegen einer ausgeprägten Tonsur oder gar im Falle dessen, dass zudem auch im Frontbereich (Haaransatz) kein Eigenhaar mehr besteht (Vollglatze, außer Haarkranz), liegt eine eher unglückliche Situation vor.

    Eine Haartransplantation bei Vorliegen einer Tonsur oder Mönchsglatze? Den möglich zukünftigen Haarausfall und eine mögliche NW 6 Situation in Betracht ziehen

    NW 6 - Situation
    NW 6 – Situation

    Es ist sicherlich nicht unmöglich, eine Eigenhaarverpflanzung vornehmen zu lassen bei beginnender oder fortschreitender Glatzenbildung (Tonsur). Allerdings wird in solchen Fällen explizit individuell und auch von Arzt zu Arzt teils unterschiedlich verfahren und sollte unbedingt der zukünftige Haarausfall in Betracht gezogen werden und ob der Betroffene eventuell eine NW 6 Situation (siehe obige Abbildung) erlangen kann.

    Generell wird zugrundegelegt, das maximal bis zu 50 % Spenderhaare (follikuläre Einheiten/natürliche Haarbündelungen) aus dem Haarkranz zur Umverteilung mittels Haartransplantation genutzt werden können, um eine zu große Ausdünnung im Haarkranz zu vermeiden. Diese maximale Anzahl reicht jedoch bei Vorliegen einer Vollglatze häufig nicht aus, um im NW 6 Fall alle kahlen Stellen akzeptabel zu bepflanzen. Haartransplantation hat als Haarumverteilung seine Grenzen und die Folge wäre, dass sich ein insgesamt ausgedünntes Ergebnis einstellte, welches aufgrund der geringen Dicht als nicht zufriedenstellend gewertet werden könnte. Die nach Entnahme von Spendergrafts verbleibende Dichte des Haarkranzes hat eine große Relevanz, denn die Spenderzone sollte in keinem Falle vollkommen ausgeschöpft werden. Insbesondere nicht in sehr jungen Jahren, um später weitere Maßnahmen in Betracht ziehen zu können. Manche Haarchirurgen stellen daher bei Tonsuren die Gesamtästhetik in den Vordergrund ihrer Bemühungen und bedienen mit der vertretbaren Menge an Spendermaterial vornehmlich die Frontpartie und den vorderen Bereich des Oberkopfes bzw. lassen oftmals die Tonsur oder die Mönchsglatze erst mal unbehandelt.

    Eine Mönchsglatze oder Tonsur frühzeitig zu behandeln und wenn eine Tendenz besteht, dass der Betroffene eventuell in Zukunft eine NW 6 Situation erlangt, dann kann durch eine Haarverpflanzung möglicherweise keine adäquate, vollständige Dichte erlangt werden und kann es zu Verteilungsproblemen kommen, eben und wenn der Betroffene tatsächlich in Zukunft eine NW 6 Situation erlangt. Hier gilt es, im Sinne des Patienten nach einer bestmöglich tragbaren und ästhetisch annehmbaren Lösung zu suchen. Erfahrene, renommierte Haarchirurgen werden immer ganzheitlich planen und alle Eventualitäten fest im Blick behalten. Daher sollte man sich als Betroffener mit Tonsur sehr ausführlich beraten lassen und die Planung ausschließlich einem ausgewiesenen Experten im Bereich Haartransplantation anvertrauen. Auf diese Weise erfährt man aus fachqualifizierter Hand, welche Optionen bei einer Tonsur überhaupt realisierbar sind und wie die Prognosen für die Zukunft sein können.

    Haarersatz bei Tonsur (Mönchsglatze)

    Diese Möglichkeit ist insgesamt eine gelungene Lösung für Männer, wie auch für Frauen, die von einer ausgeprägten Tonsur (Mönchsglatze) betroffen sind. Haarersatz kann in dem Falle mit einer Folien- oder auch wahlweise Lacemontur versehen sein und bietet in der Maßanfertigung die Option, die Größe stets den aktuellen kahlen Stellen anpassen zu können. Je nach weiter fortschreitendem Haarverlust können nachbestellte Haarersatz-Modelle nicht nur das abzudeckende Areal maßgetreu und exakt mit neuen Haaren abdecken, sondern es besteht zudem die Möglichkeit, auf ein Material-Mix umzuschwenken, wenn beispielsweise die Frontpartie mit betroffen ist. Bei erhaltener Front (Haaransatz) und vorliegender Tonsur reicht ein Haarersatz für den Oberkopf/Tonsurbereich aus.

    Mönchsglatze + verlorener Haarersatz in der Front: Die integrative Haartransplantation – Transplantierte Haarlinie und Stirnansatz im Zusammenspiel mit einem Haarersatz

    Bei Glatzenbildung (Mönchsglatze + verlorener Haaransatz in der Front) liegt der Fokus bei einem gelungenen Stirnansatz, so dass man zumindest für diesen Bereich oftmals eine Folienmontur wählt, um die Stirnpartie so gut wie möglich „unsichtbar“ zu gestalten, so dass von Dritten möglichst nicht auszumachen ist, dass hier Haarersatz zur Anwendung kommt. Allerdings schwächelt jedoch am vorderen Haaransatz oft der Haaransatz und häufig müssen Frisuren getragen werden, welche die Haare im Haaransatzbereich nach vorne legen, so dass der Haaransatz nicht als künstlich und als Haaransatz „entlarvt“ werden kann. Häufig jedoch wünschen sich viele Haarausfall-Betroffene die Haare vorne hochkämmen oder hochstellen zu können, was jedoch zum jetzigen Zeitpunkt ausschliesslich die moderne Haartransplantation bieten kann.

    Alternativ besteht somit die Option, den Front-Haaransatz mittels einer Eigenhaarverpflanzung setzen zu lassen und direkt dahinter (zum Abdecken der Tonsur/Mönchsglatze) mit dem Haarersatz zu beginnen. Diese Methode eines Zusammenschlusses von Haartransplantation und Haarersatz wird erst seit neuerlicher Zeit in Erwägung gezogen, siehe auch unseren Artikel: http://www.hairforlife.at/naturliche-haarlinie-durch-haartransplantation. Ob eine solche Vorgehensweise jedoch für den individuellen Fall infrage kommen kann, wird sich im Zuge einer umfassenden Beratung bei einem der Experten für Haartransplantationen ergeben. Nur der Haarchirurg selber kann einschätzen, ob die Risiken und die vorliegenden Gegebenheiten eine solche Lösung zulassen. Wer als Mann jedoch auf ein Hochstellen der Stirnhaare (Hochstylen/Hochgelen des Haaransatzes) verzichten kann und sich anstelle dessen mit ein wenig „free style“ anfreunden mag, dem sind mit Haarersatz sowohl im Frontbereich, wie auch für die Tonsur alle Möglichkeiten offen und der kann – gemessen an den heutigen, modernen Produkten – mit Haarersatz eine sehr ansprechende, natürliche und vollständige Frisur erhalten. Auch in diesem Bereich hängt das vortreffliche Gelingen qualitativ, wie auch unter ästhetischen Gesichtspunkten, von einer umfassenden und fachlich versierten Beratung ab. Betroffene sollten daher immer mehrere Fachstudios für Zweithaar aufsuchen, um sich einen persönlichen Eindruck von den Materialien und den Optionen für den eigenen Bedarf zu verschaffen, bevor eine vorschnelle Entscheidung zu einem vielleicht enttäuschenden Ergebnis führt.

    Beispiel einer Haartransplantation bei Tonsur oder Mönchsglatze

    Untiges Beispiel zeigt eine Beispiel einer Tonsur-Bepflanzung mit 3644 Grafts unter Anwendung der FUT Technik. Das Resultat wurde erzielt von Dr. Bijan Feriduni:

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