Methoden zum Bilden der Empfangsbildungen und Einsetzung der Grafts mit Pinzette/Implanter/DHI/Stick & Place Technik

Bei einer Haartransplantation gibt es verschiedene Arten die Empfangsöffnungen für die neuen Haare (Grafts) zu bilden und die Grafts einzusetzen:

  • Bohrer und Einsetzung der Grafts mit Pinzette
  • Laser und Einsetzung der Grafts durch Pinzette
  • Nadelöffnungen, mittels Nadeln und Einsetzung der Grafts durch Pinzette
  • Schlitzöffnungen, (sagitale oder laterale Schlitze), mittels Skalpellen, oder speziellen Klingen und Einsetzung der Grafts durch Pinzette

Stick and Place Methode/Technik

  • Bilden einer Empfangsöffnung mit direktem Einsetzen eines Grafts, herkömmliche Stick und Place Technik
  • Bilden der Empfangsöffnungen und gleichzeitige Einsetzung der Grafts mit Choi-Implanter (Implanter Pen)

Laser und Bohrer findet man heute nur noch sehr selten. Bei Laser stellte man fest, dass die Gefahr besteht, Gewebe so zu beschädigen, dass die Haarwurzeln nicht richtig anwachsen können.

Die zwei gängigsten Instrumente sind dabei heute Nadeln und kleine Skalpelle bzw. speziell geschnitte Klingen. Mit den Skalpellen/Klingen werden entweder sagitale (von oben nach unten), oder laterale (seitliche) Schlitze gebildet.

Grössere Unterschiede gibt es bei den Instrumentsgrößen und damit auch grössere Unterschiede, wieviele Grafts/FU`s pro Quadratcentimeter platziert werden können. Je feiner die Instrumente, je mehr Grafts/FU`s pro Quadratcentimenter können auch platziert werden, allerdings je feiner die Instrumente und je kleiner die Empfangsöffnung, umso höher liegen die Risiken die Grafts zu beschädigen. Mehr dazu im Kapitel „Haartransplantation Dense Packing“.

Nadelöffnungen

Gute Haarchirurgen die mit Nadeln arbeiten, verwenden heute meist Größen von 25 Gauge (0,5 mm) bis 20 Gauge (0,9 mm), also unter 1 mm.

Im Bild unten sieht man sehr gut den Unterschied der verschiedenen Nadelgrößen

Mit einem speziellen Gerät kann man sehr genau die verschiedenen Größen nachmessen

Bei der Messung stellt man fest, dass es sich bei der Angabe der Größen immer um den Innendurchmesser handelt. Beispielsweise entspricht eine 25 Gauge Nadel einem Innendurchmesser von 0,5 mm und einem Außendurchmesser von 0,518 mm

Schlitzöffnungen mittels „Cutting Edge“

Um bei einer Haartransplantation eine gute Dichte pro qcm im Empfangsgebiet erzielen zu können, benutzen heute führende Haarchirurgen – welche mit der Schlitztechnik arbeiten -, ein spezielles Schneidegerät. Mit diesem Gerät – auch „Cutting Edge“ genannt -, können die Klingen mit denen später die Schlitzöffnungen gebildet werden, bis auf kleinste Größen sehr genau geschnitten werden.

Damit können selbst Klingen von 0,7 mm in der Länge präpariert werden. Eine Breite ist kaum vorhanden.

Bei der Kontrolle der Größe der vorher geschnittenen Klinge stellen wir fest, dass das „Cutting-Edge“ sehr genau arbeitet.

Hier eine geschnittene Klinge von 1 mm Länge:

Hier sehen wir, wie die Klinge in einer speziellen Vorrichtung festgehalten wird. Somit können nun die Schlitzöffnungen gebildet werden.

Stick&Place Technik

Bei der herkömmlichen Haartransplantation bildet normalerweise der Haarchirurg  erst mal alle Empfangsöffnungen in einem Schritt, oder in mehreren Schritten und er, oder erfahrene Assistenten/Assistentinnen setzt dann die Grafts ein.

Bei der Stick-and-Place-Technik verpflanzt der Haarchirurg das Graft jedoch direkt nach Bildung der Empfangsöffnung. Es wird mittels Nadel, Skalpell oder Klinge eine Empfangsöffnung gebildet und anschliessend direkt das Graft eingesetzt, wieder eine Empfangsöffnung gebildet, erneut ein Graft eingesetzt und so wiederholt sich der Vorgang bis die bereits entnommenen und entsprechenden gelagerten Grafts alle eingesetzt wurden.

Schauen Sie sich im folgenden Video ein Beispiel von Stick und Place in der HLC – Hairlineclinic in der Türkei/Ankara an:

Stick&Place Technik mit Choi-Implanter (Implanter Pen)/DHI Technik

Choi Implanter/Pen (DHI Technik) – Mit freundlicher Genehmigung von www.fue-hlc.com

Bei der Stick and Place Technik mit Choi Implanter, welche auch oft als DHI Technik bezeichnet wird (lesen Sie dazu auch DHI Haartransplantation Methode (Choi Implanter): Erfahrungsbericht Andreas Krämer), handelt es sich um ein Hilfsgerät/Stift (Pen) mit welchem eine Empfangsöffnung gebildet, aber gleichzeitig auch das Graft eingesetzt wird. Der Stift muss  zuerst mit einem Graft geladen werden, anschliessend wird mittels des Stifts/Choi-Implanter die Empfangsöffnung gebildet und anschliessend auf Knopfdruck das geladene Graft in die Empfangsöffnung eingesetzt.

Haartransplantation mit Stick & Place und Choi Implanter (DHI Technik) birgt ebenso Risiken: Vorsicht vor Billigkliniken in welchen das Haarlinien-Design/Bilden der Empfangsöffnungen und Einsetzen der Grafts komplett den Assistenten überlassen wird

Ebenso wie sicher bei Unerfahrenheit und fehlendem Know How die Empfangsöffnungsbildung durch einen Arzt persönlich und Einsetzung der Grafts mit Pinzette durch Assistenten/Assistentinnen Risiken birgt, so bringt einem die Nutzung eines Implanter nichts, wenn der Implanter von einer unerfahrenen Person geladen und damit das Graft beschädigt wird, oder der Implanter durch unzureichendes Know How und Erfahrung falsch eingesetzt wird, wie durch einen unerfahrenen Arzt, oder aber auch durch unerfahrene Assistenten/Assistentinnen.

In den 80 er und 90 er Jahren hatte die Stick&Place Technik mit Implanter einen schlechter Ruf bekommen, da bei damals durchgeführten Streifen-Haartransplantationen der Arzt oft nur noch den Hautstreifen entnommen hat, aber das Bilden der Empfangsöffnungen (und somit auch das Haarlinien-Design!) und Einsetzung der Grafts ausschliesslich den Assistenten mit Choi Implanter überlassen wurde, was letztendlich natürlich auch immer wieder durch falsche Handhabung und/oder Unerfahrenheit zu schlechten Resultaten geführt hat (schlechtes Wachstum, unnatürliche Haarlinie, falsche Haarwuchsrichtung etc.).

Daher ist auch heute – gerade bei Billig-Kliniken (Haarfabriken) die gerne mit Choi-Implanter/DHI Technik und anderen Begriffen werben – darauf zu achten das nicht ggf. der komplette Vorgang des Bildens der Empfangsöffnungen und Einsetzen der Grafts ausschliesslich durch Assistenten übernommen wird (lesen Sie auch „Risiken durch Billig-Haartransplantations-Discounter in der Türkei“, oder das Kapitel „Rechtliche Hilfe nach schlecht durchgeführter Haartransplantation“).

Die beste Technik zum Bilden der Empfangsöffnung und Einsetzung der Grafts

Wie bei allen anderen Techniken ebenso, so gibt es auch beim Thema Bildung der Empfangsöffnung, Einsetzen der Grafts und ob Stick and Place etc. unter verschiedenen Haarchirurgen auch unterschiedliche Meinungen, Argumente und Vorgehensweisen.

Viele renommierte und erfahrene Haarchirurgen bilden die Empfangsöffnungen auch heute noch immer mit Nadeln, oder mit feinen zurechtgeschnittenen Klingen und werden danach die Grafts mit Pinzette durch gut ausgebildete und erfahrene Assistenten/Assistentinnen, oder den Haarchirurgen selbst eingesetzt und sicher argumentieren diese Haarchirurgen für genau diese Vorgehensweise.

Einige davon bilden gleich so viele Empfangsöffnungen wie Grafts bereitstehen und setzen erst dann die Grafts ein, andere gehen in Etappen vor, manche nutzen erst zum Feintuning Stick&Place, andere allerdings nutzen grundsätzlich die traditionelle Stick and Place Technik und andere ziehen die Nutzung von einem Choi – Implanter vor.

Dabei hat jede Vorgehensweise seine Argumente. Beispielsweise sind einige renommierte Haarchirurgen welche keine Stick&Place Technik anwenden der Meinung, dass sich die Haarwuchsrichtung und Winkel der benachbarten nativen Haaren besser folgen und zudem auch insgesamt das Haarliniendesign besser gestalten lässt (man einen besseren Überblick hat), wenn man gleich in einem Vorgang viele hunderte und tausende Empfangsbildungen bildet, andere hingegen favorisieren gerade zum Feintunen von Haarlinien die Stick & Place Technik. Manche Haarchirurgen sehen es bei Stick&Place als Vorteil an, dass die Grafts gleich in die Empfangsöffnung eingesetzt werden und diese somit direkt durchblutet werden, andere allerdings sehen insgesamt gerade einen zeitlichen Vorteil (geringere OP Dauer), wenn gleich in einem Atemzug hunderte oder gar tausende Empfangsöffnungen gebildet und danach dann die Grafts in einem kompletten Vorgang eingesetzt werden.

Wichtig für ein gutes Haartransplantations-Resultat sind vor allem Erfahrung und Know-How

Wie hier auf Hairforlife bereits erwähnt gilt grundsätzlich, dass es mehrere Wege/Vorgehensweisen gibt welche hin zu einem guten Haartransplantations-Resultat führen, aber vor allem sind es immer die nötige Erfahrung, ausreichend Know-How und auch die Begabung des Arztes welche hauptverantwortlich für konstant gute Resultate sind!